04.09.2010, von Lars Daul

Retter ohne Grenzen - THW und SSF Katastrophenschutzübung

Die Erde bebt, ein lauter Knall hallt durch die Umgebung. Dann ist es plötzlich ganz still, ein Erdbeben hat die Region erschüttert, die Schäden sind deutlich zu erkennen. Zahlreiche Gebäude und Bauwerke wie Brücken und Straßen wurden instabil oder erlitten starke Schäden. Zum Teil sind Gebäude und andere Bauwerke eingestürzt. Menschen werden verletzt, müssen geortet, gerettet und ärztlich versorgt werden. Das Problem: Die Lage ist undurchsichtig und das wahre Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht zu erkennen...

Gut, dass es sich bei dem Szenario nur um ein fiktives Erdbeben handelte, das Ausgangslage für eine grenzübergreifende Katastrophenschutzübung war. An der Übung in Wintersdorf beteiligten sich neben den THW Ortsverbänden Rastatt und Karlsruhe auch Helferinnen und Helfer der Secouristes sans Frontières (SSF) aus Frankreich.

Den Schauplatz stellte das Kieswerk der Firma Sämann dar, das mit seiner Struktur bestens für die Durchführung einer Erdbebenübung geeignet war. Vor dem Szenario einer Erdbebenkatastrophe wurde am Samstag, dem 04. September 2010 die Rettung von verschütteten Personen aus Trümmern trainiert. Dabei stand zunächst eine groß angelegte Flächensuche auf dem Programm, bei der unter anderem auch die Hundestaffel der französischen SSF zum Einsatz kam. Für eine realitätsnahe Umsetzung der vorgegebenen Szenarien, hatten sich 20 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, sowie Mitglieder der Jugendgruppe des Technischen Hilfswerks als Schauspieler unter Trümmer, hinter Betonwände und Glasscheiben, sowie in meterlangen Betonröhren platziert, welche von den Einsatzkräften zunächst geortet und anschließend gerettet werden mussten.

Im zweiten Teil des Übungsszenarios begaben sich die Helferinnen und Helfer von THW und SSF dann in bis zu 25 Meter Höhe, denn im Rahmen einer Höhenrettung galt es, verschiedenste Hindernisse zu überwinden und verletzte Personen zu retten. Ort des Geschehens waren die Förderanlagen des Kieswerkes, welche im Szenario als Gebäudekomplexe definiert waren. Dabei stellten nicht begehbare Treppen und ein Labyrinth aus unzähligen Stegen und Rohrleitungen die Helfer auf die Probe. Für die Rettung der Verletzten musste unter anderem eine Seilbahn gebaut werden, mit deren Hilfe die betroffenen Personen sicher gerettet werden konnten. Dabei war ein Zusammenspiel zwischen THW und SSF besonders wichtig, denn nur so konnten die gestellten Aufgaben effektiv abgearbeitet und das Szenario letztendlich komplett abgeschlossen werden. Diese Zusammenarbeit stand während des gesamten Übungsverlaufes im Mittelpunkt, denn die eingesetzten Gruppen bestanden nicht wie gewöhnlich aus getrennt arbeitenden Teams des THW und der SSF, sondern aus mehreren bunt gemischten Einsatzteams. Hierbei zeigte sich, dass es für die Helferinnen und Helfer trotz unterschiedlicher Ausstattung und der 3-sprachigen Kommunikation auf Deutsch, Französisch und Englisch ohne Probleme möglich war, Hilfe zu leisten und dies in einer Form, die auch die Übungsleitung und die geladenen Gäste überrascht hatte. 

Zu diesen Gästen zählten neben der Geschäftsführerin des THW Geschäftsführerbereiches Karlsruhe, Frau Andrea Hildebrand und dem Referent Einsatz des THW Landesverband Baden-Württemberg Herrn Olaf Jördel zahlreiche Pressevertreter, sowie wichtige Partner und Vertreter aus dem Landkreis Rastatt. Während der Übung machten sich Rastatts 1. Bürgermeister Wolfgang Hartweg, der Wintersdorfer Ortsvorsteher Peter Fritz, Vertreter der Freiwilligen Feuerwehren aus Rastatt und Iffezheim sowie Kreisbrandmeister Manfred Tremmel und Beamte des Polizeireviers Rastatt ein Bild von der internationalen Zusammenarbeit der französischen und deutschen Hilfskräfte.

Noch im Übungsverlauf entstand eine interessante Kooperation mit der Feuerwehr Rastatt, welche sich kurz entschlossen in die Übung eingebracht hatte und ebenfalls mit mehreren Fahrzeugen auf das Gelände kam. Hierbei brachten sich die Kollegen bei der Brandbekämpfung einer im Übungsszenario explodierenden Tankstelle und der im Anschluss gefolgten Höhenrettung mit ein. Insgesamt waren an diesem Tag über 100 Helferinnen und Helfer, Darsteller und Betreuer eingesetzt um ein realitätsnahes Geschehen auf dem Gelände zu ermöglichen und klar definierte Schwerpunkte und Ziele umzusetzen. 
Der Schwerpunkt dieser Übung lag auf der Zusammenarbeit zwischen dem THW und der SSF bei einem größeren Schadensereignis. Hervorragend ergänzt wurde das Szenario durch die kurzfristige Einbindung der Freiwilligen Feuerwehr Rastatt. Viele verschiedene Faktoren spielten eine wichtige Rolle, um einen effektiven Einsatzablauf zu gewährleisten. So stellen nicht nur eingestürzte Gebäude und verletzte Personen, sondern z.B. eventuelle Verständigungsprobleme der Deutschen und Französischen Hilfskräfte eine Schwierigkeit in den Übungsszenarien dar. Außerdem wurden verschiedene Störelemente wie orientierungslose Verletzte und "schaulustige Personen" in die Übung eingebaut, die bestehende Strukturen stören sollten und eine Neuorientierung der Einsatzkräfte erforderlich machten. 

Durch die Übungsszenarien sollte erlernt werden, wie in Ausnahmesituationen ein geregelter und strukturierter Ablauf herbeigeführt werden kann. Mit der Erreichung dieses Übungszieles haben die Helferinnen und Helfer des Technischen Hilfswerks als auch die Gäste der Secouristes sans Frontières bewiesen, dass Sie wahre "Retter ohne Grenzen" sind. Für eine Region in der die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich so nah liegt, ist eine solch erfolgreiche Zusammenarbeit ganz besonders wichtig, denn im Ernstfall wissen beide Hilfsorganisationen, dass ihre Hilfe ankommt und der Kooperation qualifizierte Retter beiderseits des Rheins nichts im Wege steht.


Alle zur Verfügung gestellten Bilder sind honorarfrei und dürfen unter Angabe der Quelle für die Berichterstattung über das THW und das Thema Bevölkerungsschutz verwendet werden. Alle Rechte am Bild liegen beim THW. Anders gekennzeichnete Bilder fallen nicht unter diese Regelung.




Suche

Suchen Sie hier nach einer aktuellen Mitteilung: